
“Da ist was Schlimmes passiert” – ich lehnte mich hinüber zu meinen Freunden, sprach mit zitternder Stimme jene Worte aus und musste mit ansehen, wie er krampfhaft nach Luft rang. Weit über 48 Stunden sind vergangen und noch immer stehe ich unter Schock. Es hätte alles so wunderbar sein können, nass triefend bis auf die Unterwäsche den Heimsieg bejubeln, von einem argentinischen Kampfzwerg schwärmen und ein rundum tolles Wochenende genießen. Am Ende bleibt nur der Moment, der uns allen, weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus, den Atem stocken ließ.

Ich hatte meine ganz eigene Vorstellung davon, wie das alles laufen würde. Der VfB würde in der Offensive einfach nicht zu Potte kommen und am Ende besorgt Alexandru Maxim, der nach Mainz abgewanderte Liebling der Fans, den Rest: ein wunderschöner, ins Eck gezwirbelter Freistoß kurz vor dem Ende. Ich sah es fast so deutlich, wie ich den Freistoß in Hannover schon im Tor gesehen hatte, der uns direkt zum Aufsteiger gemacht hätte. Wir blieben verschont von jener grausamen Vorstellung und unter der drückenden Hitze Stuttgarts musste ich feststellen, dass das, was ich vor Cottbus und Berlin noch vermisst hatte, langsam zurückkehrt. Bock auf Fußball.

So weit ist es schon gekommen. Da verliert der VfB sein erstes Bundesligaspiel nach dem Aufstieg und irgendwie hat es mich nicht einmal überrascht. Ist es so, dass mich nach den bitteren Momenten des Abstiegs nichts mehr erschüttern kann? Widert mich das Gesamtkonstrukt des Profifußballs etwa schon so sehr an, dass nicht mehr mein komplettes Herzblut an der obersten deutschen Spielklasse hängt? Es gibt so viel mehr Gedanken, die mich beschäftigen; Entscheidungen, die in den nächsten Wochen und Monaten anstehen; neue Wege, die ich beschreiten werde. Ob der Gang zu mehr Gelassenheit auch dabei sein wird, wird die Zukunft zeigen müssen.

Zwei Monate, drei Wochen und zwei Tage sind vergangen, seit ich mitten auf dem Rasen im Neckarstadion auf die Anzeigetafel schaute, wo in großen Lettern „Weiß-rot ist erstklassig“ geschrieben stand. Zwölf Wochen sind vergangen, seit dem VfB nach einer abenteuerlichen Saison die Rückkehr in die Bundesliga geglückt ist. 84 Tage Sommerpause sind vergangen. Man sollte meinen, wer (fast) nichts anderes außer Fußball im Kopf hat, der sollte sich doch eigentlich darauf freuen, dass es nach so vielen Wochen der Abstinenz endlich wieder losgeht. Endlich wieder Fußball. Endlich wieder ins Stadion. Endlich wieder.
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