
Was mache ich eigentlich hier? Warum bin ich nicht im kuschlig warmen Bettchen geblieben? Vor meiner Tastatur steht meine VfB-Tasse und ich nehme einen großen Schluck Kaffee, es ist kurz vor 7 Uhr morgens und in einigen Stunden wird unsere Mannschaft auf den FC Bayern treffen, dabei vermutlich trotz bester Leistung knapp verlieren und das obligatorische Lob des gegnerischen Trainers erhalten. Kaufen können wir uns davon nichts. Nach einer harten Woche im Büro hätte ich an diesem frühen Morgen ohne Zweifel etwas Besseres zu tun, als auf ein Spiel zurückzublicken, das wie so viele andere Auswärtsspiele meinen Frust geschürt hat. Und trotzdem sitze ich hier, wohlwissend, dass ich mich in 24 Stunden nicht wesentlich anders fühlen werde.

Es ist nicht so, dass wir eine solche Situation nicht schon einmal erlebt hätten. Als wir im Frühjahr 2016 nach einigen Siegen in Folge plötzlich keine Punkte mehr holten, hielt man mich für verrückt, das Wort Abstieg in den Mund zu nehmen. Oder als wir im Winter 2016/2017 in der zweiten Liga den einen oder anderen Punkt liegen ließen, hielt man mich für paranoid, das Wort Nichtaufstieg anzusprechen. Wann immer es beim VfB nicht so gut lief, wurde ich teilweise hart dafür angegangen, wenn ich anmerkte, dass es nicht rund läuft.

“Wer nicht in der Lage ist, aus seinen Fehlern zu lernen, wird sich eines Tages umschauen und feststellen, dass es dieses Mal keine drei Dümmere geben wird – dann ist man nämlich selbst der Dumme”. Etwas ähnliches sagte ich vor gut anderthalb Jahren, als der VfB, mal wieder in allergrößter Abstiegsnot, auf bestem Wege war, endgültig den Faden zu verlieren. Ein paar wenige Wochen später war der VfB der Dumme und stieg zum ersten Mal seit den Siebzigern ab. Noch steht der VfB besser da, als ich es vor der Saison vermutet hatte, und natürlich würde ich viel lieber davon schreiben als neuerliche Abstiegsszenarien in pechschwarzer Farbe an die Wand zu malen, aber ist es nicht so, dass sich unser Herzensverein abermals ziemlich dumm angestellt hat?

Von allen Dingen, die ich mir an diesem Tag ausgemalt hatte, war dies so ziemlich das Unwahrscheinlichste. Lachend und schreiend lagen wir uns in den Armen, ohne es vermutlich richtig begreifen zu können. Ein Heimsieg gegen Borussia Dortmund. Sieben Jahre, neun Monate, zwei Wochen und drei Tage. Seit man zum letzten Mal die Dortmunder vor heimischer Kulisse bezwingen konnte, ist viel Wasser den Neckar hinuntergeflossen. Spieler und Trainer sind gekommen und gegangen, die Liebe zum Verein ist geblieben, genau wie die sture Überzeugung, dass der VfB nur selten zu wahrhaft großen Heldentaten imstande ist.
Neueste Kommentare